Die Brennerbande, Teil 14


Der Weg zu den Schienen war, wie schon die Tage zuvor, von einer wohl angebrachten Paranoia begleitet. Sie blieben dicht beieinander und dachten beständig an Malandro, der seinen Weg zu seiner Lehrstelle alleine zurücklegen mußte. Hatten sie ihn bisher immer heimlich oder auch offen um sein Glück beneidet, so bedauerten sie ihn jetzt nur noch. Die Mädchen waren sicher, denn selbst die Brenner, nach allem, was vorgefallen war, würden sich nicht an ihnen vergreifen. Sie, Skimir, Tiscio, Walmo und Walter hatten sich gegenseitig zum Schutz. Aber Malandor war allein.

Das gleiche Spiel auch auf dem Rückweg. Die Arbeit war in Ordnung, da dachte man nicht an Banden, versoffene und prügelnde Eltern oder Freunde, die vielleicht irgendwo zusammengeschlagen auf der Strasse lagen. Sie haßten die Arbeit, den Gestank, den Lärm der Maschinen, die brüllenden Vorarbeiter, den Hungerlohn. Aber in dieser einen Beziehung, ausnahmsweise einmal, war die Arbeit in Ordnung.

Was diesen Tag von den vorangegangenen unterschied, war, dass sie diesmal nicht erleichtert waren, als sie zuhause ankamen, denn der viel gefährlichere Weg stand ihnen noch bevor.

Sie trafen sich schon am Ausgang der Schienenstation, wie sie es fast immer taten, wenn nicht einer Sonderschicht schob oder zum Aufräumen verdonnert worden war. Schweigend gingen die vier zur Feldstraße, wo es möglich war immer entlang der Grenze zum Ingengebiet, Schließlich blieb ihnen jedoch nichts anderes übrig, als in die Feldstraße einzubiegen, sie zu überqueren und damit in jenes Niemandsland einzutreten, das zwischen Feld und Bogen lag. Sie warteten nicht auf Malandro. Sie hofften, dass ihm nichts geschehen war und dass er schließlich den Eltern sagen konnte, was passiert war, sollten die vier nicht zurückkommen.

Die Kinder aus der Feldstrasse